Zuerst war es nur der Ruf „You’re Fake News“, momentan kursieren Videos, in denen Pressevertreter aktiv vom Fragestellen weg eskortiert geschubst werden.

„Sicherheit geht vor“

In Paris wurde ein Reporter von Sicherheitsleuten aus einem Pulk von Journalisten geschubst und vor die Tür gesetzt, nachdem er eine Frage zu aktuellen Vorwürfen gegen Le Pen stellte (siehe Video).

Die Begründungen für die kraftvolle Aufforderung zu gehen variieren, es scheint aber auf Anweisung des Front National hin geschehen zu sein. Zeitgleich gibt der Front National einen „Fake News Alert“ heraus, der in einigen Reaktionen erwartbar als plumpe „Trump-Kopie“ abgetan wird.

Archive aktivieren, Trump und AfD

Der Vorfall weckt auf jeden Fall Erinnerungen an andere Momente, in denen statt Antworten mit Ausschluss reagiert wurde. Und natürlich gibt es auch hier Bilder.

Ein Journalist von Spiegel TV hat eine kurze Sequenz auf Twitter geteilt, in dem Journalisten an Interviews mit AfD-Mitgliedern gehindert werden.

„Get out of my country“

In einem Video von 2015, das im aktuellen Kontext wieder in die Timelines geteilt wird, sind ähnliche Bilder vom damals noch wahlkämpfenden Donald Trump zu sehen. Hier wird ein Journalist konsequent übergangen und schließlich aus dem Saal eskortiert.

„You are Fake News“

Diese Beispiele, aber auch die Auftritte des Pressesprechers Sean Spicer und nicht zuletzt auch Trumps Pressekonferenz Anfang Januar, in der er CNN als „Fake News“ beschrieb, sollten aufhorchen lassen. Die berüchtigten „Alternativen Fakten“ führen zwangsläufig zu geballter Desinformation und, ja, einer alternativen Pressefreiheit.

Donald Trump blasts CNN

Rede, Gegenrede, Vorwurf, Gegenvorwurf – dieses Spiel werden wir in den nächsten Monaten auch hierzulande vermehrt über uns ergehen lassen müssen. Ebenso werden Journalisten oder „die Lügenpresse“ bewusst nicht zugelassen oder, wenn sie zu störend werden, abgedrängt.

Social Bots? Nein, Politiker & Parteien!

Die aktuelle Diskussion um Social Bots und ihre Auswirkung auf den politischen Diskurs lenkt einiges an Aufmerksamkeit ab vom eigentlichen Problem: der Effekt von Twitter-Trollen (automatisiert oder echt) dürfte wesentlich geringer ausfallen als die zunehmende, öffentliche Diskreditierung von ausgewählten Pressevertretern.

Nicht Social Bots trollen den politischen Diskurs, sondern dessen Herausforderer.


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Klas Roggenkamp

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… macht wahl.de seit 2005, seit 2016 für appstretto. Verbindet Digital & Politik zu erfahrbaren Angeboten – technisch, inhaltlich, optisch. Wahlkampferprobt und agenturerfahren.
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