In den USA hat Facebook gerade das neue Prozedere aktiviert um als „umstrittene“ Meldungen eben als strittig zu markieren.

Angekündigt wurde dieser Schritt zum Jahreswechsel, und nun tauchen die ersten Screenshots auf, in denen unterhalb einer geteilten Meldung ein rotes Dreieck als Warnung dienen soll.

Ab jetzt: selber Schuld

Links zu solchen Meldungen können weiter geklickt werden, allerdings stehen sie nun neben Verweisen auf Angebote, die sich mit der Prüfung von „Fake News“ (ja, der Begriff ist ungenau … aber wir wissen hoffentlich alle inzwischen, was gemeint ist) befassen und im Einzelfall fehlerhafte oder falsche Aussagen korrigieren und belegen.

Diese Markierung ist genauso umstritten wie die grundsätzlich oft zweifelshafte Reaktion auf von Nutzern gemeldete Inhalte („verstösst nicht gegen Gemeinschaftsrichtlinien“) und das, nun ja, teils naiv wirkende hoffen auf „Gegenrede“. Ein Blick in diverse Kommentarspalten (auch z.B. unsere) lässt einen Zweifeln an der Wirksamkeit von Argumenten – egal, von welcher Seite sie kommen.

Einfluss auf den Facebook-Algorithmus

Spannend wird auf jeden Fall zu beobachten sein, inwiefern sich diese Markierungen auf die Verbreitung auswirken. Facebook könnte natürlich solche Meldungen in seinem Algorithmus runtergewichten. Die Hoffnung wird aber wohl sein, das die Faktoren, die Einfluss auf die Gewichtung in Newsfeed und Timeline haben, indirekt beeinflusst werden: die Interaktionsrate (Likes, Reaktionen und Kommentare) und die Zahl der Shares.

Warum erst jetzt

Facebook tut sich generell damit schwer, seinen Einfluss auf Medien- und Nachrichtenkonsum selbst zu akzeptieren. Das ist z.T. auch vermintes Terrain, denn jede Handlung in eine Richtung würde als Eingeständnis ausgelegt werden können, dass man entweder Publisher oder Verbreiter oder sonst irgendwie inhaltlich verantwortlich ist.
Die Markierung von strittigen Meldungen ist da ein gangbarer Kompromiss, und ein Schritt weiter als das Hoffen auf Selbstreinigung durch die „Community“. Ob sich die zwischengeschalteten „Kontrolleure“ bewähren wird sich jetzt zeigen müssen. Das Zögern von Facebook hat aber eine Menge Vertrauen gekostet, das nun von dem externen Fact-Checkern erstmal zurückgewonnen werden muss. Jeder kleine Kontroll-Fehler wird sicherlich hohe Wellen schlagen – jeweils auf der anderen Seite des Meinungsspektrums.

Twitter jetzt in Zugzwang?

Facebooks Rolle war kritisch im US-Wahlkampf, und nicht erst zur Bundestagswahl sehen wir auch in Deutschland immer wieder so genannte „Fake News“. Ob nun Masern-Impfung, der Umgang mit Russland oder auch die Bewertung von Martin Schulz – die Deutungshoheit hat, wer die Reichweite bekommt.

Hier kommt aber auch Anbietern wie Twitter eine große Bedeutung zu, nicht zuletzt benutzt US-Präsident @realdonaldtrump die Plattform, um ungefiltert seine Weltsicht zu verbreiten. Fact Checker hätten alleine bei diesem Stream eine ganze Menge zu markieren – aber auch deutsche Mandatsträger müssten die ein oder andere Markierung als „strittig“ hinnehmen.

Hinweise mit limitiertem Effekt

Da wird das ganze Vorgehen aber auch schon an seine Grenzen stoßen, denn nach aktuellem Stand werden verlinkte Webseiten bewertet – nicht aber der Kommentar, mit dem sie verbunden sind. Die selektive Weltsicht einiger wird weiterhin nur selektiv geflaggt.

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Klas Roggenkamp

Klas Roggenkamp

… macht wahl.de seit 2005, seit 2016 für appstretto. Verbindet Digital & Politik zu erfahrbaren Angeboten – technisch, inhaltlich, optisch. Wahlkampferprobt und agenturerfahren.
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