Ob Lolcats, Grumpycats, Vadering, Ecce Homo, Mario Balotelli oder Kim Jong-Un looking at things: Memes sind einer der wichtigsten Treibstoffe sozialer Netzwerke und aus dem Internet nicht mehr wegzudenken. Auch der letzte US-Wahlkampf war voller Memes: Big Bird, binders full of women oder Eastwooding, um hier nur ein paar Beispiele zu nennen (wobei auffällig ist, dass hauptsächlich Mitt Zombie Opfer der Meme-Maschine Internet wurde).

Laut Markus Beckedahl „bereichern Memes den Online-Wahlkampf durch Humor und Kreativität“. Das ist sicher richtig und ein wichtiger Grund, warum sich Memes – zumindest die witzigen und unterhaltsamen – viral im Netz verbreiten und tausendfach geteilt werden. Zudem existieren sie direkt an der Schnittstelle von Entertainisierung und Negative Campaigning, zwei Phänomene, die wir im fortschreitenden postmodernen Wahlkampf in den USA immer stärker beobachten können.

Der Begriff Meme wurde bereits 1976 vom Evolutionsbiologen Richard Dawkins geprägt, um damit zu beschreiben, wie Ideen und Informationen durch Kommunikation jeglicher Art weiterverbreitet werden. Unter Internet-Memes werden dabei dann Inhalte in Form von Videos, Bildern, GIFs, Hashtags oder auch einzelnen Wörtern verstanden, die sich viral verbreiten und dabei immer wieder und weiter von anderen Nutzern verändert und adaptiert werden.

Im US-Wahlkampf sind Internet-Memes dabei kein neues Element. In Anspielung auf die fehlende Bereitschaft von Al Gore und Joe Lieberman, den Wahlsieg von George W. Bush und Dick Cheney anzuerkennen, fand im Präsidentschaftswahlkampf 2000 der Ausdruck „Sore-Loserman” seinen Weg vom Bumper Sticker in die Online-Foren. Und auch im Wahlkampf 2008 kursierte bereits eine Vielzahl politischer Memes, die vor allem im Internet entstanden und über soziale Netzwerke verbreitet wurden: vom Obama-Girl über Joe the Plumber hin zum wandelnden Meme Sarah Palin.

2012: Die Meme Election

2012 nun spielten Memes im Wahlkampf aber fast schon eine zentrale Rolle, befeuert nicht nur durch Twitter und Facebook, sondern vor allem durch Plattformen wie Reddit, BuzzFeed und Tumblr. Zwar haben viele politische Memes eine sehr kurze Halbwertszeit, eine ganze Reihe schafften aber auch den Weg in die Massenmedien sowie in die Kommunikation der beiden Kampagnen fanden. Big Bird wurde tatsächlich in die offizielle Wahlwerbung der Obama-Kampagne integriert. Und binders full of women war eines der am meisten diskutierten Themen während und nach der zweiten Debatte zwischen Obama und Romney – und hier dann auch den Sprung zu einer ernsthaften Debatte über das Frauenbild innerhalb der republikanischen Partei via „Humor und Kreativität“ geschafft.

Die politischen Memes im letzten US-Wahlkampf folgen dabei einer gewissen prozessualen Dynamik: Das Internet und die Nutzer sowie wichtige Multiplikatoren in sozialen Netzwerken erstellen, teilen und adaptieren Memes. Die Massenmedien berichten im Anschluss und die beiden Kampagnen versuchen, die Memes in Form von Wahlwerbung in ihre Kampagnen zu integrieren. Dabei wird deutlich, dass die Wahlkampfteams von Obama und Romney Memes nicht planen und noch weniger stoppen, sondern nur auf diese reagieren konnten.

So lässt sich mit Blick auf Memes eben auch eine gewisse Machtverschiebung im postmodernen Online-Wahlkampf – zumindest in den USA – beobachten: Plattformen wie Buzzfeed und Twitter und deren Nutzer entscheiden als neue dezentrale Gatekeeper via Crowdsourcing, welche memes und damit auch welche Inhalte relevant sind und sich qua viraler Verbreitung an die Spitze der politischen Agenda setze. GIFs und Hashtags sind im letzten US-Wahlkampf daher zu den neuen Soundbites der Politik geworden, die in sozialen Netzwerken in Echtzeit diskutiert, gedeutet und „geframed” werden und so in ihrer Kürze ganze politische Debatten definieren können.

Und Deutschland?

Auch in Deutschland sehen wir im aktuellen Wahlkampf können wir immer wieder Memes beobachten, die auch ihren Weg in die etablierten Medien finden und von SPON, ZEIT, SZ und Co. aufgenommen. Neu ist das auch nicht unbedingt, denn es gab ja schon Zensursula oder „Im coolsten Land der Welt“ feat. Philipp Rösler. Grade das populärste politische Meme der letzten Zeit ist sicherlich das beste Beispiel, dass Memes auch hier der im US-Wahlkampf zu beobachtenden prozessualen Dynamik folgen können. Denn #Neuland hat nicht nur meinen Twitter-Stream regiert, sondern wurde eines der am meistdiskutierten Themen in der Woche des Obama-Besuchs. Und das nicht nur im Social Web. Denn es gab nun einmal nicht nur einen witzigen Tumblr-Blog mit lustigen GIFs, sondern es wurden auch wieder thematische Diskussionen zur Netzpolitik angestoßen.

Genau dies leisten politische Memes im besten Fall – und bringen durch Humor, Kreativität und Viralität noch ein paar mehr Internetnutzer dazu, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Natürlich fehlen Plattformen wie Reddit und Buzzfeed in Deutschland als Turbobeschleuniger für Memes und daher werden sie eine vergleichbare Reichweite wie im US-Wahlkampf einfach nicht erreichen. (Nicht nur) Ich bin aber trotzdem noch gespannt, was für Memes wir in den letzten Wochen des Wahlkampfs noch sehen werden.

(Artikelbild: @Marc Thomalla // tumblr: dasinternetistfuerunsalleneuland.tumblr.com

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Adrian Rosenthal

Adrian Rosenthal

Adrian Rosenthal ist Head of Digital and Social Media bei der PR-Agentur MSL Germany und war dieses Jahr zum ersten Mal beim Personal Democracy Forum. Er bloggt seit 2008 auf amerikawaehlt.de über US-Wahlkämpfe und Online-Campaigning.