Soziale Medien haben die Welt der Kommunikation seit 2005 verändert. Mit Facebook begann eine neue Ära der privaten Interaktion, aber auch des Nachrichtenaustausches. Doch gleichzeitig geht mit der digitalisierten Gesellschaft auch eine Verrohung der Kommunikation einher, die durch die Anonymität im Netz erzeugt wird. Fake-News bedrohen die neutrale Information, während alteingesessene Medien als „Lügenpresse“ bezeichnet werden.

Mischung von Privatem und Informationen

In der Sendung „Lebenszeit“ mit Sören Brinkmann im Deutschlandfunk kritisierte beim Gebrauch von Facebook oder anderen sozialen Medien als Informationsquelle Andreas Jungherr, Professor an der Universität Konstanz, insbesondere die vermischte Form der Nutzung sozialer Medien. Beispielweise würde man auf Facebook mit Freunden und Bekannten seinen Alltag teilen, aber auch Nachrichten und Informationen austauschen. Dadurch würde beim Bewerten von Nachrichten immer auch eine emotionale Komponente mitspielen. Man reagiere „viel heftiger, viel spontaner“. Dadurch werde auch das Echo auf einer emotionsgeladenen Ebene gefällt. Mit einem Faktencheck komme man hier nicht weiter. Als Nutzer müsse man wissen, ob man sich auf eine personalisierte politische Diskussion überhaupt einlassen will.

Tatsächlicher Einfluss auf Politik

Arne Busse, von der Bundeszentrale für politische Bildung, wies auf den Druck hin, den die Emotionalisierung der politischen Debatte in den sozialen Medien bewirke. An dem Beispiel „Nafri-Gate“-Debatte sehe man, wie schnell sich die politische Diskussion hochgeschraubt habe. Privatpersonen und Politiker haben ihre Meinungen dazu abgeben müssen, weil sich die öffentliche Meinungen schon in den Netzwerken gebildet habe. „Das Reflektieren geht verloren.“

“Die Menschen haben sich nicht verändert“

Bastian Schlange vom Recherchenetzwerk „CORRECT!V“ arbeitet mit Facebook zusammen an der Bekämpfung von Fake-News, die über das Netzwerk verbreitet werden. Nachrichten sollen geprüft und gegen recherchiert werden. Bestätigt sich der Verdacht, dass es sich um Fake-News handelt, soll künftig eine Nachricht aufploppen, die den Nutzer fragt, ob er tatsächlich „diesen Bullshit“ teilen will. Man habe auch eine gesellschaftliche Verantwortung, Propaganda zu bekämpfen. „Früher hieß es Propaganda, heute Fake-News“. Durch diese Warnmeldung soll an die Scham appelliert und die Verbreitungskette aufgebrochen werden.

„Freund wird zum Sender“

Der Grund, weshalb viele Menschen so anfällig für Fake-News seien, ist laut Schlange der Sender. In den sozialen Medien handelt es sich bei dem Sender meist um einen Freund, zu dem man ein enges Vertrauensverhältnis hat, an das kein anderes Medium herankomme. „Der Freund wird zum Sender“. Meist handle es sich um einen politischen Gleichgesinnten. Dadurch steige man aus dem Diskurs aus und verschachtle sich in einem gesellschaftlichen Filter. Ist das Bild von der Wahrheit erst mal gefestigt, suche man nur noch Bestätigung. „Da geht es nicht um Diskussion, es geht nicht um einen Wahrheitsbegriff, es geht nur noch darum, sein eigenes Weltbild zu bewahren.“

Jungherr: „Wir müssen an den Menschen ran“

Busse sieht in der Markierung der Fake-News keinen Lösung bei Hardlinern. Diese sei doch eher „Ehrenbezeugung der Lügenpresse, dass man ins Schwarze getroffen hat“. Verbreitung von Gerüchten sei ein Zeichen dafür, dass die Verfasser sich ausgegrenzt fühlen und eben nicht zum Mainstream gehören. Jungherr schloss sich an und warnte davor, sich an dem Symptom abzuarbeiten. Mann müsse an die Menschen ran, in ihre Diskussionsräume, um dort gut recherchierte Fakten zu präsentieren. Die sozialen Medien dürften deshalb nicht verflucht, sondern genutzt werden. Schlange beschwichtigte, dass man Diskussionen nicht verbieten könne. Es ginge hauptsächlich darum, das soziale Empfinden und die Empathie ins Netz zu bringen.

Weder Segen noch Fluch

Jedes Mal, wenn ein neues Medium auftaucht, ist die Gesellschaft zunächst von den neuen Möglichkeiten überfordert. So war es bei der wachsenden Anzahl von Zeitungen, Radiosendern und beim Fernsehen. Doch die Geschichte zeigt auch, dass sich diese Anforderung immer einpendelte und die Menschen lernten, damit umzugehen. Der Mensch bleibt in seinen Instinkten, wer er ist. Gute und schlechte Seiten kommen heute nur deutlicher zum Vorschein. Soziale Medien als „Fluch oder Segen“ zu beschreiben, ist also unerheblich. Es handelt sich einfach um eine Gegebenheit, mit dem viele noch nicht gelernt haben umzugehen. Wichtig bleibt deshalb vor allem die Aufklärung.

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Helena Serbent

Helena Serbent

Seit ihrem Volontariat bei Media Partisans arbeitet Helena Serbent für „Young+Restless“ und moderiert bei ALEX Berlin die Talksendung „Kopf.Hörer“. Ihre Schwerpunkte sind Politik und Digitalisierung.